Google Stadia – Cloudgaming | Das Netflix für Videospiele?

Google hat diese Woche eine kühne Vision für die Zukunft für Gaming und Videospiele präsentiert. Es ist eine cloudbasierte Gamingplattform mit dem Namen „Stadia“ und es ist die Kombination aus jahrelanger Arbeit an Netzwerktechnologie und uns Videostreaming.

“Building a game platform for everyone”

Im Wesentlichen will Google das Netflix für Videospiele bauen. Auf diese Art und Weise kannst du jedes Spiel, auf jedem Gerät und wann immer du willst spielen. Die Hardware, ob Laptop, PC, Tablet oder Smartphone, ist dabei zweitrangig.

Diese Idee ist nicht neu,  vielleicht kennen einige von euch OnLive oder GAIKAI. Aber Google sagt, dass sie die Infrastruktur, die Technologie und die entsprechenden Ressourcen haben, um dieses Vorhaben richtig umzusetzen.

Natürlich steht Google hier nicht allein dar, denn jede große Tech- und Gamingfirma versucht sich mit dieser Technologie.

Nun hat Google bei der GDC (Game Developers Conference) erklärt, dass sie es als größtes Unternehmen in der Branche als erstes schaffen werden.

 

“With Stadia we can all dream bigger and together build a playground for every imagination”

 

Vorstellung von Google Stadia
 

Wie funktioniert Stadia nun?

Es ist ein simples Konzept, dass jedoch unglaublich schwierig in seiner Umsetzung ist.

Cloud-Gaming, anders als Musikstreaming oder Videostreaming, setzt voraus, dass das Spiel entfernt auf einem Datenzentrum läuft.
Man stellt  das ganze Datenzentrum den Spieleentwicklern und agiert vollkommen Gerätunabhängig. Ebenso bedarf es keiner Konsole, was letztlich der springende Punkt ist.

Man hat also einen PC in einem Serverschrank eines Datenzentrums, auf dem das jeweilige Spiel läuft. Von hier aus wird dir das Videomaterial zu dir nach Hause über das Internet auf deinen Bildschirm geschickt.
Dann drückst du als Spiele Tasten auf deinem Kontroller oder Tastatur und sendest diese Signale über das Internet wieder an den Rechner im Datenzentrum.
Als das soll ohne Ruckeln oder Lags bei 4K in der Auflösung, HDR und 60 Hz passieren. Aus aktueller Sicht scheint diese Vision noch weit hergeholt und historisch betrachtet hat es auch noch nicht funktioniert.

 

„We can’t beat the speed of light, but we can cheat it enough so we can deliver a very high performances experience”

 

Wichtige Bereich von Google für den Cloudgaming-Service

Google greift anscheinend auf alle kritischen Bereiche seines Unternehmens, damit Cloudgaming Realität wird.

1. Chrome

Der erste Bestandteil ist der Chromebrowser samt der Erweiterung durch den Google Chromecaster, auch als Dongle bekannt. Auf diese Weise bekommt Google die Videosignal vom Spiel auf dem Server im Datencenter auf deinen Fernseher oder Monitor.

2. Android

Als zweiter Bestandteil dient das Android-Betriebssystem als allgegenwärtigstes System weltweit. Hierdurch schafft es Google Stadia auf Smartphones und Tablets zum Laufen zu bringen.

3. Youtube

Dritter Bestandteil ist Youtube.
Es wird mehrere Features geben, außerdem gibt es viel Vermarktungspotential, wenn der Service startet.

Das erste Feature lässt sich dich ein Spiel mit Stadia mit nur einen Knopfdruck starten. Nur beim Schauen eines Youtubevideos, Lets Plays oder Streams.
Du wirst dann an genau die Stelle im Spiel hingebracht.
Eine weitere Möglichkeit ist, dass ein Streamer einen Zuschauer ins Spiel einladen kann. Oder man bei einer Multiplayerveranstaltung des Streamers mit.
Die Interaktion mit der Community wird noch enger.

Du kann auch den Google Assistent nutzen, wenn du mal im Spiel nicht weiterkommst. Es wird dir dann ein Tutorial gezeigt, dass sich mit diesem Problem auseinandersetzt bzw. die Lösung für dieses Spiel bietet.

4. Cloud und Rechenzentren

Der vierte Bestandteil ist Googles Cloud in ihren Datenzentren, das Rückgrat des kompletten Services und ist dafür zuständig, dass alles funktioniert.

5. Stadia Controller

Zu guter Letzt wird es auch etwas Hardware für den Nutzer geben. Google baut seinen eigenen Stadia Controller, der sich über WiFi mit Googles Datenzentren verbindet.
Wenn du das Gerät wechselst, sagen wir von einem Smartphone zum Tablet oder vom Laptop zu TV, musst du den Controller nicht neu mit dem Gerät verbinden.

 

Der heilige Gral für die Gamingbranche

Cloudgaming ist der heilige Gral der Gaming-Industrie über Jahrzehnte. Einige Unternehmen haben es bereits versucht und sind daran gescheitert.
An diesem Punkt hat sich Google noch nicht darüber geäußert, wieviel Stadia eigentlich kostet oder ob es ein Abomodell sein wird.
Vielleicht ist es nur eine Möglichkeit seine Spiele zu spielen,  die man bereits besitzt oder die man auf einem anderen Weg erworben hat. Dies wäre ebenfalls ein toller Service, aber nicht so ambitioniert, das volle Paket Cloud- und Streamingservice.

Ungewissheit besteht auch auf technischer Ebene.
Natürlich hat Google die ausgereifteste Infrastruktur und ein Datenzentrum, das zu den zuverlässigsten und schnellsten auf diesem Planeten gehört. Aber das heißt nicht direkt, dass man damit auch Millionen Spiele in einer 4K-Auflösung gleichzeitig streamen kann. Und das an Leute mit unterschiedlichen Internetgeschwindigkeiten-

Angenommen, all diese technischen Probleme sind gelöst und stehen uns nicht mehr im Weg, braucht man für diesen Service Spiele.
Aktuell ist der einzig bestätigte Einstiegtitel für die Plattform „Doom Eternal“.
Dooms Eternal soll auf Stadia mit 4K und 60 Bild die Sekunde erhältlich sein, was beeindruckende Zahlen sind. Aber Google wird mehr als ein Spiel brauchen, um die Nutzer von ihre Service zu überzeugen.

Wann und was wird sich ändern?

Mit Stadia versucht Google nicht nur zu verändern, wie Spiele gespielt werden, sondern wie sie entwickelt, vermarktet und verkauft werden.
Netflix macht das für Serien und Filme und hat damit die Filmindustrie verändert.
Spiele können sich auf eine ähnliche Weise verändern, aber das wird dich plötzlich über Nacht geschehen. Es aktuell auch nicht klar, ob Google überhaupt die Vorreiterrolle in diesem Markt gewinnt. Beispielsweise hat Microsoft seinen eigenen XCloud-Service. Sony hat auch seinen konkurrierenden Serviceclub PlayStation Now und man kann sich bereits jetzt dort anmelden.
Amazon, Nintendo und auch EA arbeiten an Cloudgaming.
Letztlich ist es ein Rennen um die besten Plätze in der Zukunft und Google springt mit seiner Serviceplattform schnell und aggressiver nach vorne, als andere Wettbewerber.
Aber auch hier muss man beachten, dass es Jahre gedauert hat, bis Netflix und Spotify die Art und Wiese geändert haben, wie wir Serien, Filme und Musik konsumieren. Und selbst jetzt existieren physische Medien bis heute.
Nach aktuellem Stand brauchte es eine Weile, den Weg zu gehen, den wir jetzt beschreiten. Und Gamer sind teilweise konservativ gegenüber Neuerungen, gerade wenn die Vorteile direkt klar sind.
Aber das Versprechen für Cloudgaming existiert und mit einem riesigen Unternehmen wie Google in diesem Bereich, könnte den richtigen Kick bringen.

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